13. Juni 1936

Der Konditormeister Wilhelm Kanngießer (Lehre in Gotha vom 01.10.1926 bis 30.09.1929, Meisterprüfung am 23.04.1937) eröffnete das „Central-Café“ in dem Gebäude des ehemaligen „Café Hag“ am Kurplatz zunächst als Pächter und ab 1939 als Besitzer.

1923 – 1935

Das Haus wurde zunächst als Pachtbetrieb von verschiedenen Pächtern bewirtschaftet und war in den Besitz der Kreis- und Stadtsparkasse Norden übergegangen, die dort ein neues Sparkassengebäude errichten wollten.

Vorerst verpachtete sie es aber noch an Wilhelm Kanngießer, der es unter dem Namen „Central-Café“ führte. Der damalige Bürgermeister Söhlmann setzte sich dafür ein, an dieser schönen Ecke des Kurplatzes das Café zu erhalten, und so verkaufte die Sparkasse im Frühjahr 1939 das Grundstück an Wilhelm Kanngießer.

Leider konnte er nur noch wenige Monate bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im eigenen Haus wirken. Bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht übernahm er für kurze Zeit die Kantinenverwaltung in der Meierei-Kaserne.

07. November 1941

Wilhelm Kanngießer fiel in Russland kurz vor Vollendung seines 30. Lebensjahres.

01.Juni 1947

Nach dem Kriege eröffnete Paul Kanngießer – ein jüngerer Bruder des Vorgängers – nach seiner Rückkehr aus englischer Gefangenschaft erneut das „Central-Café“. Da er einen anderen Beruf erlernt hatte, gab es zunächst einige Schwierigkeiten mit den Behörden. Paul Kanngießer musste einen Meister (Peter Peters) einstellen, bei dem er seine Ausbildung als Konditor erhielt. Zur Eröffnung wurde das Haus fein herausgeputzt. Mit einigen Eimern Kalkfarbe ging man morgens in aller Frühe ans Werk und pinselte, d. h. „witschiete“, damit die Fassade an. Nach wenigen Stunden erstrahlte das Haus in blendendem Weiß mit den alten Voile-Gardinen um die Wette. Ja, das war der Anfang nach dem Krieg. Wer das nicht mitgemacht hat, kann gar nicht glauben, dass die Gäste damit zufrieden waren. Aber sie waren es!!

20. Juni 1948

Währungsreform! Über Nacht war die Reichsmark wertlos und die erste

D-Mark wurde ausgezahlt. Das Café war zwar eröffnet, die ersten Gäste erschienen, aber keiner wusste, welche Preise er fordern sollte. Nach kurzer Zeit spielte sich jedoch alles ein und obwohl es noch weiterhin Lebensmittelkarten gab, kamen nach und nach Kaffee, Wein und Bier auf dem Markt.

Die ersten Gäste besuchten die Insel wieder und reisten mit schwerem Gepäck an. Sie brachten Lebensmittel sowie Spirituosen und andere Artikel mit, um ihre Rechnungen zu bezahlen (tauschen). Mehr Zucker

und Butter gab es nur auf Lebensmittelkarten. An Getränke wurden Kaffee-Ersatz als Heiß- und ein Kaltgetränk aus einem süßen Gemisch angeboten. Da das Gas noch rationiert war, konnte nur wenige Stunden gebacken werden. Mangels Ware war das Café zunächst nur von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Stunden vorher standen die Gäste vor der Tür Schlange, eine Stunde nach Öffnung war der Kuchen schon ausverkauft. Nach Feierabend klebte die ganze Familie Lebensmittelkarten mit Mehlkleister auf große Bögen, um dafür schnell wieder Nachschub an Waren zu bekommen. Einige Gäste gaben ihren Tee zum Zubereiten ab. Dabei fielen immer ein paar Krümel für die Kaffeeköchin und die Omas ab! Und so verlief die Saison 1948 letztendlich sehr erfolgreich.

28. November 1951

Paul Kanngießer besteht seine Gesellenprüfung mit „sehr gut“. Während dieser Zeit fungierte seine Mutter – damals noch Mitbesitzern – als Geschäftsinhaberin. Sie hatte ihren Mann 1937 und zwei Söhne 1941

bzw. 1944 verloren. Deshalb erhielt sie die Genehmigung zur Weiterführung des Betriebes.

15. September 1953

Paul Kanngießer legte mit gutem Erfolg seine Meisterprüfung ab, womit dann endlich alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt waren.

Inzwischen war das Haus, nach einer Erbauseinandersetzung im Jahre 1951, in seinen alleinigen Besitz übergegangen.

Die folgenden Jahre waren ausgefüllt mit steter Aufbauarbeit. Es wurde umgebaut, repariert und modernisiert. Neue Geräte für die Backstube, Eismaschinen, Kühlanlagen, Kaffeemaschine, elektrische Kasse, Geschirr, Gläser, Besteck, Gartenmöbel usw. mussten angeschafft werden. In jedem Winter wurde das sauer verdiente Geld so wieder ausgegeben

bzw. investiert.

Da eine Vergrößerung der Wirtschaftsräume dringend erforderlich wurde, traf es sich gut, dass das Nebenhaus im Mai 1952, nach dem Tode der Besitzerin, erworben werden konnte. Es wurde als Fremdenheim „Haus Ursula“ geführt. Nach und nach wurde das vollkommen veraltete Haus umgebaut und renoviert.

1954

Es entsteht der Plan, die Räume um die sogenannte „Veranda“ zu erweitern und eine Terrasse mit mehr Sonnenplätzen zu schaffen.

18. März 1956

Nach sehr vielen Schwierigkeiten mit der Baubehörde konnte mit dem Umbau begonnen werden. Am 17. Mai 1956 war alles geschafft.

1957 - 1960

Günter Kanngießer erlernte das Konditorenhandwerk in Bremen in der Konditorei Bleeker. Während dieser Zeit lernte er seine Frau Renate kennen. Im Winter 1960 besuchten sie gemeinsam die Hotelfachschule

in Bad Wiessee und 1963 die Konditorenfachschule in Wolfenbüttel. Im Mai 1963 bestand Günter Kanngießer die Meisterprüfung und im Herbst des gleichen Jahres wurde geheiratet.

Herbst 1959

Vollständiger Umbau des Cafés. Neue Toiletten, Kaffeeküche, Fußboden, Kuchenbuffet und Wandvertäfelung wurden eingebaut.

Winter 1963/64

Errichtung des Neubaus auf dem Grundstück. Bestehend aus der Privatwohnung, 6 Personalzimmer, dem Eisraum, Lagerräume und der Wäscherei.

1969

Die Eheleute Kanngießer machten sich selbständig und führten 10 Jahre lang das Kurhaus Norderney sowie das Kurhotel, bis sie 1978 das

Central-Café übernahmen. Günter und Renate Kanngießer haben zwei Töchter.

Ute, die ältere, ist Konditormeisterin und mit dem Münsteraner Konditormeister Ulrich Tillmann verheiratet. Beide arbeiteten im Central-Café auf Norderney.

Heike erlernte den Beruf der Konditorin in einem Goslarer Konditoreibetrieb. So waren die fachlichen Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Betriebes gegeben.

Seit 1975

Der Gast im Central-Café hat nun auch die Möglichkeit zu essen und braucht nicht mehr auf Fassbier zu verzichten. Es wurde eine Küche

und 80 neue Sitzplätze gebaut.

01.Januar 1978

Paul und Adele Kanngießer übergeben das Central-Café an Günter und Renate Kanngießer, gleichzeitig wurde das Café grundlegend neu gestaltet.

1983

Das Central-Café wurde durch den Kauf des Nachbarhauses, Wilhelmstraße 3, erweitert. Damit verfügt es nun auch wieder über

ein Gästehaus, welches Unterbringungsmöglichkeiten für 29 Gäste bot, außerdem wurde die Backstube in diesem Hause untergebracht.

1985 startete die neue Generation ihre Zeit im Central-Cafe. Ulli Tillmann und Ute heirateten im November.

1989 Dadurch, dass wir mehrere in der Geschäftsleitung waren, konnten wir beginnen die Oase umzubauen und mit einem neuen Konzept unter der Aufsicht von Heike eröffnen. Mit unserem damaligen Architekten bauten wir unsere Pension in der Wilhelmstraße 3 um.

1990 eröffneten wir im Erdgeschoss das Eisparadies. Aus den oberen Etagen, wo sich die Gästezimmer befanden, wurden Mitarbeiterunterkünfte. Die Backstube bezog den kompletten hinteren Bereich. Die Konditorei wurde praktischer und entsprach den neusten hygienischen Ansprüchen. Im Kellerbereich wurden 2 Frosterhäuser, ein Kühlhaus und Lagerräume eingebaut.

An die Zeit des Eisparadieses erinnern wir uns alle gerne zurück. Wir hatten nicht nur schöne Stunden mit netten Gästen, sondern auch immer wieder ein nettes Team am Start.

Jazzabende, tolle Partys in einem lockeren edlen Ambiente, nicht nur bei Eis und Cocktails, sondern auch bei Scampies oder Steaks mit einem Glas Prosecco.

Kurz um: „Es war eine tolle Zeit!“

Frühjahr 1996

Die Geschwister Ute Tillmann und Heike Knittel treten in die Geschäftsführung der Central Gaststättenbetriebs GmbH & Co KG ein.

Ute Tillmann übernimmt eigenständig die Leitung des Central-Cafe´s und Heike Knittel die Oase.

Ende der 90er Jahre eröffneten wir die Pizzeria „Paradiso“ und erweiterten somit das „Eisparadies“. Von da an konnte Ulli sein Können mit Corrado Maccanti an seiner Seite unter Beweis stellen.

Das Paradiso war ein sehr beliebter Treffpunkt.

2000 wurde die schwere Entscheidung getroffen, das Eisparadies zu schließen, da es uns beiden leider zu viel wurde. Wir stellten fest, dass es nicht möglich ist auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Das Welcome Sun Sonnenstudio wurde eröffnet. Das Sonnenstudio wird gerne von Alt und Jung besucht. Die Leitung des Studios übernahm Inka Jürgens.

Herbst 2005

Familie Knittel wandert nach Somerset West – Südafrika aus, und tritt somit aus der Geschäftsleitung aus.

2006 Nachdem Ulli und Ute die Leitung der Oase übernommen hatten, wurde leider nach einem harten Jahr das “Paradiso“ geschlossen. Dies war für die Familie wieder kein einfacher Schritt. Aber wir wollten uns voll und ganz auf die Hauptbetriebe Central Cafe und Oase konzentrieren.

2007

Günter Kanngießer geht in den wohlverdienten Ruhestand und verläßt somit auch die Gesellschaft. Seitdem leitet Ute Tillmann mit ihrem Ehemann die Gesellschaft eigenverantwortlich.

2009

Im Herbst sollte nur der Eisstand renoviert werden. Aber durch einige Überraschungen der Baubeschaffenheit wurde es ein riesiger Umbau, indem nicht nur der Eisstand renoviert wurde, sondern auch der Thekenbereich mit der dazu gehörigen Kaffeeküche, der Toilettenstrakt, der Wohnbereich über dem Cafe, alle Stromkabel neu sowie Brandmeldeanlage verlegt, alle Lagerbereiche umgestaltet, ein BHKW im Zusammenhang mit einer neuen Heizung, sowie eine Photovoltaikanlage installiert.

Bei diesem Umbau wurde die alte – neue Hag Decke wieder gefunden und komplett restauriert.

In diesem Zusammenhang wurden alle Häuser gedämmt, neue Fenster und Türen eingesetzt, um die Möglichkeit zu bieten, das Cafe auch rentabel im Winter geöffnet zu halten, sowie Energie einzusparen.

Seit 2011 haben wir nur noch 6 Wochen im Januar/Februar geschlossen. Damit bieten wir unseren vielen langjährigen Mitarbeitern jetzt eine Ganzjahresstellung.

Das Central-Café hat heute 250 Sitzplätze, davon sind 130 Sitzplätze

im Freien.

2005/2006 Die Oase wurde im Produktionsbereich komplett umgebaut. In den darauf folgenden Jahren wurden neue Außenmöbel angeschafft, die Boutique eröffnet mit einer eigenen Oase Kollektion, sowie das Kaminzimmer komplett renoviert. Die Saunaplattform wurde von der Kurverwaltung neu gebaut, somit konnten wir die Beach Bar neu gestalten.

Die Oase ist in den letzten Jahr ein beliebtes Ziel in der Vor- und Nachsaison für Gruppenreisen geworden, wobei sie im Sommer eine „richtige Oase“ ist, in der  man auf gemütlichen Sofa´s  in gepflegter Atmosphäre, bei leckerem Essen, ausgesuchte südafrikanische Weine trinken kann. Fahrradfahrer oder Wanderer verbringen dort gerne ihre Pausen, genauso ist es das Ziel vieler Inselrundfahrten und der Zwischenstop der roten Bimmelbahn.